Die Geschichte der Barfoots... oder "Wie kommt man eigentlich auf SOWAS!?"

Da bin ich wieder...

 

ich musste kurz untertauchen, nachdem die Flut an Schuhen, Anfragen, Shop/Schnittzimperlein sich mit der Erleichterung über die Veröffentlichung dieses wahrlich großen Projekts gekoppelt hatte.

Ich konnte vorerst keine Schuhe mehr sehen und musste erstmal meinen Arbeitsraum von sämtlichen Spuren befreien (wenn ihr eure ersten Schuhe näht, wisst ihr wovon ich rede ;))

 

Dazu ein verstauchter Fuß, Migräne und eine Bindehautenzündung beim Kind - ab ins Schneckenhaus! :D

 

Ihr habt ja nun derweil schon einen Eindruck von den Barfoots bekommen... jetzt zeig ich euch nach und nach endlich meine und erzähl euch eine kleine Geschichte.

 

Dieses ist das allererste richtige Barfoot Paar gewesen...

 

 

 

Nein... eigentlich war es dieses... das rot-weiß gestreifte oben links...

 

Nachdem ich kurz davor war nach mehreren Wochen Schnittentwicklung das Projekt doch sein zu lassen, brauchte mich dieser Schuh wieder auf den rechten Weg.

 

Neben weiteren gefühlten 100 Prototypen aus Papier, Stoff und Gartenmöbelplastik hatte ich kurz den Mut verloren. Und das, obwohl es erst der Anfang war -  zum Glück dachte ich zu dem Zeitpunkt ich wäre jetzt "fast fertig", sonst gäb es wohl bis heute keine Barfoots! :D

Tatsächlich dachte ich, ich würde nie im Leben Schuhe nähen. Das ist ja noch verrückter als Unterwäsche! (Wobei ich die auch schon genäht habe...). Nein, aber ich dachte... so eine Arbeit, niemand zur Hölle näht sich Schuhe!

 

Ich war auch nie eine "Schuhfrau" - ein Paar Sandalen, ein Paar Halbschuhe, ein Paar Stiefel. Braucht man mehr? Eigentlich nicht.

 

Das war auch eine gute Weile meine Meinung.

 

Und plötzlich war da dieser Funke an Enthusiasmus es doch mal zu probieren. Nur probieren... wenns nervt, lass ich's halt.

 

Es kam anders. Bevor überhaupt ein Schuh entstanden war, wusste ich, ich werde das Ganze direkt an der Wurzel fassen und einen eigenen Schnitt entwerfen. Und fing mit dem Design der Schuhe an. Um die Umsetzung würde ich mich später kümmern, kann ja nicht so schwer sein.

 

Nachdem ich meinem Stammteam das Design vorgestellt hatte, gab es kein zurück mehr. Jetzt musste es los gehen. Schuhe nähen... wollten wir das nicht eigentlich alle schonmal probieren und haben uns nur noch nicht getraut. Los, Inga, mach mal! Die anderen Pläne kannst du später umsetzen.

Oooookay... Und los ging die verrückte Reise.

 

Natürlich wollte ich den Schnitt vorerst selbst testen, bevor ich ihn auf Kinderfüße los lasse. Die Schnittführung ist ungewöhnlich, denn die Kappe samt ersten Ösen liegt über dem Seitenschaft. Sonst ist das umgekehrt, eigentlich immer. Was sicherlich nicht umsonst so ist, denn der Schuh kann so einfacher per Schnürung eingestellt werden.

Meine Idee sieht ja schon besonders aus... aber erwies sich bezüglich der Schnittentwicklung erstmal als nicht leicht. (Gut, das bin ich gewöhnt von meinen Ideen...).

Bis ich die richtigen Proportionen herausgefunden hatte, die den Schuh in eine klassische Schuhform brachten, vergingen Wochen über Wochen. Aber kleine Erfolge ließen mich immer weiter machen.

 

 

Wegen der Passform hatte ich außerdem Kontakt zu einer Orthopädieschuhmacherin, bei der ich mich immer wieder absicherte und die mir immer wieder tolle Profi-Tipps gab. Danke an dieser Stelle!

 

Barfußschuh... klingt so einfach. Hauptsache die Zehen haben Platz. Mehr ist das doch nicht.

Aber nein... so einfach ist es dann doch nicht, denn gerade die kleinen Füße wollen guten Halt haben und ein schlecht passender Schuh beeinflusst nachhaltig Gang und Haltung des Kindes. Mein Anspruch an mich selbst war noch höher als sonst.

Fakt ist - erst gibt es Schuhe für mich, denn nichts soll drücken, oder anderweitig stören.

 

Dieser Schuh ist nicht die Endversion der Barfoots, hat aber nachträglich so viele Korrekturen erfahren, dass es dem finalen Aussehen der Barfoots recht nahe kommt.

 

Im Probenähen wurde bei einigen der Anfangsenthusiasmus etwas getrübt. Die Herausforderung wurde unterschätzt und der erste Schuh entsprach oft nicht dem, was sich vorgestellt wurde. Wir entwickelten sogar ein Motivationsmantra in der Gruppe, für Momente, in denen es mal nicht so gut lief oder wenn die Schokolade alle war: "Schuhe sind Freunde, keine Feinde." (bitte beliebig wiederholen).

 

Zum Glück kann ich am Ende des Probenähens behaupten, dass ALLE es hingekommen haben und dabei glücklich über sich hinaus gewachsen sind. Fast alle werden "es" wieder tun.

Denn ein fertiges Paar Schuhe entlohnt wirklich jedes Fluchen. Die fertigen Ergebnisse, sprechen für sich. Und nein, das Team bestand nicht nur aus "Profi-Nähern", sondern war gut durchmischt. Wer schon Erfahrung mit dem Nähen von Schuhen hatte, hatte auch mit den Barfoots keinerlei Probleme.

 

 

Mein erstes Paar hier habe ich übrigens aus Dry Oilskin von Merchant&Mill genäht. Die Umrandung ist aus (leider zu dünnen) Leder. Gefüttert ist der Schuh mit Canvas von Snaply. Hier wurde die Version mit Sohlenaußennaht gewählt. Dies macht den Schuh etwas breiter aber auch weniger anfällig für Abrieb an der Umrandung und die Sohle klebt sich einfacher.

Zu den Schuhen trage ich einen Fjóla Rock.*

 

Ich freue mich jetzt aber auch wahnsinnig, nachdem der Sturm vorbei ist, endlich ein weiteres Paar für mich zu nähen... oder zwei? Oder drei? Ach nein, die Schuhe vom Kind sind tatsächlich auch schon wieder zu knapp... und x und y wollten ja auch unbedingt ein Paar und haben mir unauffällig Material zukommen lassen.


Äh... Schuhe sind Freunde. :)

* Den schönen Rock habe nicht ich genäht, sondern Antje von Mittwochselfie.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0