Dunnerkiel! Eine Materialkunde zu (Dry) Oilskin und Co.

Der neue Schnitt "Dunnerkiel", ein Damenmantel für schlechtes Wetter, ist vorrangig für Stoffe wie (Dry) Oilskin und Vergleichbares ausgelegt.

 

Für Viele ist dieses Material noch Neuland.

Vor allem für Taschen, Rucksäcke und Co. ist es in aller Munde.

 

Bei Verwendung von Oilskin für Kleidung sind viele noch vorsichtig, denn es gibt oft viele offene Fragen.

 

Kann man das Waschen? Bügeln? Wie lässt es sich verarbeiten?

Dunnerkiel Dry Oilskin

mit einigen Fragen zum Thema (Dry) Oilskin versuche ich hier aufzuräumen...


Für meine ersten Dunnerkiel habe ich Oilskin von britishmillerain verwendet (chera, 275 g/qm).

Dieser ist mittelschwer und liegt vom Gewicht zwischen den Angaben des bekannten Herstellers Merchant&Mill.

 

(Dry) Oilskin gibt es in vielen verschiedenen Qualitäten. In jedem Fall empfehle ich, sich Proben schicken zu lassen. Denn von Hersteller zu Hersteller gibt es große Unterschiede. Außerdem rate ich dazu, von zu günstigen Stoffen abzusehen - denn es gibt auch schlechte Qualitäten.

 

Meistens gibt es zwei Gewichtsklassen.

Die Stoffgrundlage unterscheidet sich: Beim light Oilskin (ca. 250 g/qm) wurde normaler Baumwollstoff verwendet; beim heavy Oilskin (ca. 400 g/qm) ist Canvas die Basis. Beides eignet sich je nach Futterkombination und Geschmack für den Mantel.

 

„Trench“ Dry Oilskin ist etwas leichter als der Standard. (Dry) Oilskin gibt es auch in Bioqualität.

Dunnerkiel fällt gemütlich aus und ist genau für steif fallende Stoffe konzipiert. Die dezente A-Form schmeichelt jeder Figur. Mit einem Taillentunnel kann die Weite reguliert werden. Vorne ist der Mantel kürzer als hinten.
Dunnerkiel fällt gemütlich aus und ist genau für steif fallende Stoffe konzipiert. Die dezente A-Form schmeichelt jeder Figur. Mit einem Taillentunnel kann die Weite reguliert werden. Vorne ist der Mantel kürzer als hinten.

Der klassische Oilskin fühlt sich zunächst steifer, nasser und klebriger an als der Dry Oilskin.

Er ist mit Antikwachs beschichtet, das Wasser perlt davon ab. Er wirkt „glänzender“ und wenn man ihn gegen das Licht hält, ist er leicht durchscheinend. Er zeigt bei der Verarbeitung eine, für diesen Stoff typische,  „Patina“. Diese Falten sind erwünscht und verleihen einen „used look“. Mit dem Föhn lassen sich unerwünschte Falten vorsichtig „nachjustieren“.

 

Oilskin wird i.d.R. mit der Zeit sehr weich und trocknet noch etwas nach.

Zu Beginn scheint der Stoff sehr schwer und fettig.

Das legt sich aber zum Teil schon bei der Verarbeitung. Mit dem Tragen hast du nach einiger Zeit einen butterweichen Mantel, versprochen. Und die Optik ist einfach eine ganz Besondere.

heavy Dry Oilskin von Snaply
Bei diesem Mantel habe ich mich für die asymmetrischen Eingrifftaschen entschieden. Die Belege sind aus heavy Dry Oilskin von Snaply.

Oilskin fettet nicht auf andere Kleidung ab, mach dir keine Sorgen.
Die wasserabweisende Eigenschaft ist beim klassischen Oilskin und Dry Oilskin in meinen Augen gleich gegeben.

Oilskin kannst du mit speziellem Oilskin-Wachs nachwachsen.
Je nach Hersteller gibt es verschiedene Produkte. Auch hier gilt: Teste an einem Reststück!

Den ersten Oilskin Mantel habe ich mit einem leichten Woll-Webstoff aus dem örtlichen Stoffgeschäft gefüttert.

Mit diesem Mantel halte ich es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einem dicken Pullover schon gut aus :)

 

Da ich aber leicht friere und es im Winter doch noch etwas kühler wird, plane ich schon einen dritten, dicker gefütterten Mantel. Dazu werde ich einen ähnlichen Wollwebstoff zusätzlich mit Wolle oder Baumwolle absteppen.

Dunnerkiel gehört natürlich auch klassisch gelb!

Ich wünsche mir ja schon eeeewig einen gelben Friesennerz. Irgendwie hat es nie sollen sein.

Außerdem...ein Mantel komplett aus Plastik? Hm.. ach ich weiß nicht.

 

Beim Entwickeln des Schnittes hatte ich meinen Traummantel in gelb bereits vor Augen. Und ich wusste er muss innen Streifen haben.

Die Kombi aus Dry Oilskin cumin von Merchant & Mills und dem leichten Baumwollfutter vom gleichen Anbieter liegt schon ewig in meinem Regal und hat auf seinen großen Auftritt gewartet.

Jetzt war es soweit!

Beim Dry Oilskin ist das Wachs eingearbeitet und nicht von Außen ersichtlich. Er hat eine matte Oberfläche.

Der Stoff fühlt sich trocken an und die oilskintypische Knitteroptik fällt sehr viel geringer aus.

Übrigens habe ich zum ersten Mal Dry Oilskin für mich vernäht.

Bisher trägt das Kind seine Jacken aus diesem Material. Jetzt weiß ich, wie es sich trägt.

 

Tatsächlich ist Dry Oilskin unerwartet "härter" als der klassische Oilskin (vor allem wenn er nass wird).

Dry Oilskin ist zwar leichter, aber hat einen steiferen Fall.

Vor allem wenn er nass wird, fühlt sich der Stoff recht fest an. Im Gegensatz zum klassischen Oilskin, wird Dry Oilskin kaum weicher im Gebrauch.

 

Klassischer Oilskin wird nach einigem Tragen wirklich butterweich und ich würde diesen in Zukunft für das Kind bevorzugen (nachdem ich meine Vorräte an Dry Oilskin abgebaut habe). Wobei ich das Tragegefühl und die Haptik vom Dry auch sehr mag und das Kind damit gut zurecht kommt. Aber es ist ganz anders.

Für mich persönlich steht es dem klassischen Oilskin in nichts nach. Ich mag beides sehr!

Diesen Mantel habe ich mit Pattentaschen genäht und einem aufgesetzten Tunnelzug.

Innen gibt es Eingrifftaschen, falls es doch mal so sehr regnet, dass ich mir um mein Hab- und Gut Sorgen machen muss. Den ersten Regen hat der Mantel aber gut gemeistert.

Dry Oilskin (Merchant & Mills) 245 g/qm
midnight blue

Bild: Nahtschattengewächs

Organic Dry Oilskin marina edge, majolica blue und cumin (Merchant & Mills) 153 g/qm

Bild: Nähwohnzimmer

Dry Oilskin (Merchant & Mills) 245 g/qm
cumin

 


Fox Dry Oilskin heavy (Snaply, aubergine) ca. 400 g/qm

Bild: tschabowski

Fox Dry Oilskin Light (Snaply, curry) ca. 245 g/qm

Bild: muckelie


Verarbeitung/Tipps/Pflege

(Dry) Oilskin ist (mit Wachs beschichtete) Baumwoll-Webware und franst mit der Zeit aus.

 

Ich empfehle offene und beanspruchte Kanten immer zu versäubern.
Außerdem solltest du den Stoff nicht stecken, sondern klammern/fixieren (Wonderclips oder Stylefix).
Eine rechte und linke Stoffseite ist übrigens nicht erkennbar und beide Seiten können gleich verwendet werden!


Nadeln

Man kann (Dry) Oilskin mit einer ganz normalen Nähmaschine und Universalnadeln vernähen (80er oder 90er). Wähle den Stich etwas weiter (Stichlänge 3). Da der Mantel aber im Ergebnis relativ wasserabweisend werden soll, rate ich dennoch zur Verwendung von Microtex-Nadeln. Diese hinterlassen (falls doch auch mal aufgetrennt werden muss) kleinere Löcher im Stoff, die sich i.d.R. einfach „wegreiben“ lassen.

Waschen? Pflege?

(Dry) Oilskin bitte nicht (vor)waschen! Dry Oilskin kann „im Notfall“ vorsichtig bis 30 Grad gewaschen werden. Das Wachs wäscht sich so aber raus. Teste vorab mit einem Reststück! Dry Oilskin kann mit dem erhältlichen Wachsblock nicht nachbehandelt werden!
Nachwachsen kann man nur den klassischen Oilskin. Sofern Waschen nicht unbedingt notwendig ist, entferne Verschmutzungen mit kaltem Wasser und einem Schwamm.

Bügeln?

Bügeln kannst du Dry Oilskin i.d.R. vorsichtig auf Stufe 2, falls du z.B. eine Verstärkung anbringen möchtest (Backpapier dazwischenlegen). Teste dies aber unbedingt vorab an einem Reststück.
Oilskin solltest du gar nicht bügeln. Das Wachs schmilzt sichtbar und Optik und Funktionaliät verändert sich.

I.d.R. muss Oilskin nicht verstärkt werden, da das Material selbst einen guten Stand hat. Wenn es der Stoff verträgt (Testen!) empfehle ich, beanspruchte Stellen, wie z.B. Tascheneingriffe, dennoch zu verstärken.

Das Anzeichnen von Markierungen ist auf (Dry) Oilskin besonders leicht. Du kannst einfach mit einem spitzen Gegenstand auf dem Wachs „zeichnen“. Es hinterlässt durch das Wachs eine sichtbare Spur.

Gibt es Alternativen für den Dunnerkiel?

Eta Proof

Eine Alternative zum (Dry) Oilskin ist Eta Proof.
Eta Proof ist ein Baumwollgewebe, welches in Haptik und Verarbeitung weniger steif aber auch weniger robust ist. Optisch ähneln sich Dry Oilskin und Eta Proof sehr.
Eta Proof ist nicht beschichtet, sondern imprägniert (je nach Anbieter Flourcarbon-freie RUC Imprägnierung). Außerdem ist es durch seine spezielle Webart noch wasser- und windabweisender als Oilskin. Die Fasern quellen bei Kontakt mit Feuchtigkeit auf und dichten sich ab.

Da der Stoff nicht beschichtet ist, bleibt er zudem atmungsaktiv.

An stark dem Regen ausgesetzten Partien (Schultern, Kapuze etc.) kann Eta Proof doppelt gelegt werden, um länger dicht zu sein. Ich empfehle ein Gewicht von mindestens 200 g/qm.


Unbeschichtete Stoffe

 

hier ein Heavy Washed Canvas 475g.

Natürlich kannst du auch andere unbeschichtete Stoffe verwenden. Muss ja kein Regenmantel werden!

Du solltest aber darauf achten, dass der Stoff eine gewisse Festigkeit aufweist und eher steif fällt.

 

Wenn der Stand nicht ausreicht, fallen Kragen und Säume ein. Diese kannst du aber auch zusätzlich verstärken.

Regenbekleidungsstoff/Funktionsstoff/Softshell

Dunnerkiel kannst du auch aus Funktionsstoffen und Regenbekleidungsstoffen nähen. Diese sind i.d.R. kostengünstiger als die oben genannten Materialien. Hier empfehle ich unbedingt Microtex-Nadeln zu verwenden.


Alle anderen wundervollen Ergebnisse aus dem Probenähen zum Dunnerkiel, kannst du dir hier beschauen!


Dieser Blogbeitrag enthält einiges an liebevoller und freiwilliger Werbung.

Die Anbieter kreando, Snaply und elsbeth&ich haben das Probenähen mit Rabatten für die Designnäher unterstützt.

Vielen Dank dafür!


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Kommentare: 1
  • #1

    Chrissie (Montag, 02 Dezember 2019 10:59)

    Ganz lieben Dank für Deine tollen Tipps zum Oilsikin nähen. Habe gerade zum ersten Mal einen Organic Dry Oilskin für einen Rucksack genäht und bin begeistert von dem wunderbaren Stoff. Und das nächste Projekt ist schon in Planung.. ein Dunnekiel für Schietwetter! :-)